Windship Day 2026 stellt die Weichen für eine moderne windgetriebene Schifffahrt
Vor der einzigartigen Kulisse des historischen Museumsschiffs PEKING im Deutschen Hafenmuseum in Hamburg trafen sich internationale Expertinnen und Experten beim Windship Day 2026, einer hochkarätigen Konferenz zur Zukunft der windgetriebenen Handelsschifffahrt. Die von der Fraunhofer-Arbeitsgruppe Nachhaltige Maritime Mobilität ausgerichtete Konferenz wurde begleitend zur weltweit führenden Schifffahrtsmesse SMM ausgerichtet und brachte Akteure aus den Bereichen Schifffahrt, Schiffbau, Technologie, Forschung, Finanzen, Logistik und Politik zusammen. Gemeinsam wurde erörtert, wie Windantriebe zur Dekarbonisierung des globalen Seeverkehrs beitragen können.
Im Mittelpunkt der diesjährigen Veranstaltung standen die Ergebnisse des Projekts RASANT, einer deutschen Forschungsinitiative zur Entwicklung innovativer Frachtschiffkonzepte mit Windenergie als Hauptantrieb. Ziel des Projekts ist die Demonstration wirtschaftlich tragfähiger Segelfrachtschiffe, die durch die Kombination aus fortschrittlichen Windantriebssystemen, erneuerbaren Kraftstoffen, Batteriespeichern und hybriden Antriebsarchitekturen einen vollständig emissionsfreien Betrieb erreichen können.
»Die Schifffahrt steht vor einer der tiefgreifendsten Veränderungen in ihrer Geschichte«, so Projektkoordinator Prof. Kapitän Michael Vahs von der Hochschule Emden/Leer. »Die für die windgetriebene Handelsschifffahrt erforderlichen Technologien sind keine Zukunftsvisionen mehr. Mit RASANT zeigen wir, dass segelunterstützte und windgetriebene Frachtschiffe zu einem technisch realisierbaren und wirtschaftlich wettbewerbsfähigen Bestandteil eines klimaneutralen Seeverkehrssystems werden können.«
Von Konzeptstudien zu Marktchancen
Das Konferenzprogramm des Windship Day 2026 bot einen breiten Überblick über Forschungsergebnisse und Perspektiven der Industrie. In den Fachvorträgen wurden unter anderem Entwicklungen im Bereich des Designs hybrider Segelfrachtschiffe, der Routenoptimierung, windgetriebene Tankerkonzepte für den Transport von grünem Ammoniak sowie Methoden zur Leistungsbewertung von Windantrieben vorgestellt.
Ein zentraler Schwerpunkt lag auf der Integration des Windantriebs in wirtschaftlich tragfähige Schiffskonzepte, die künftige regulatorische Anforderungen erfüllen und gleichzeitig auf den internationalen Schifffahrtsmärkten wettbewerbsfähig bleiben. Vorgestellt wurden Simulationswerkzeuge und Konstruktionsmethoden, mit denen Leistung, Emissionsminderungen und betriebliche Effizienz unter realen Bedingungen bewertet werden können. Die Nachmittagssitzungen erweiterten den Blickwinkel über die Technologie hinaus und beleuchteten Marktbedingungen sowie Betriebserfahrungen.
Zunehmende Bedeutung für Windantriebe
Windunterstützte und windgetriebene Schiffsantriebe haben in den letzten Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen. Mit der Weiterentwicklung fortschrittlicher Segeltechnologien, automatisierter Steuerungssysteme, Energiespeicherlösungen und alternativer Kraftstoffe werden Windantriebe zunehmend als einer der vielversprechendsten Wege zur Erreichung internationaler Klimaziele bei gleichzeitiger Wahrung der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit anerkannt. Dr. Florian Kluwe, Geschäftsführer der Ship Design & Consult GmbH, hob die wachsende wirtschaftliche Bedeutung der windgetriebenen Schifffahrt hervor: »Der Windantrieb ist längst keine Vision von Idealisten mehr. Wir sehen deutlich, dass das Interesse in der Handelsschifffahrt wächst, und wir sind fest davon überzeugt, dass Windantriebe eine wichtige Rolle bei der Dekarbonisierung der Schifffahrtsbranche spielen werden.«
Die Konferenz endete mit einer Podiumsdiskussion über Chancen und Herausforderungen für die Marktakteure. Der lebhafte Austausch zeigte das wachsende internationale Interesse an modernen Segelfrachtschiffen und bestätigte, dass sich Windantriebe rasch von Nischenanwendungen hin zur kommerziellen Schifffahrt entwickeln.
Zum Projekt RASANT: Entwicklung der nächsten Generation emissionsfreier Frachtschiffe
RASANT (»Hybrid Sail Cargo Ships«) ist ein industrielles Verbundforschungsprojekt, das vom Bundesverkehrsministerium im Rahmen des Nationalen Innovationsprogramms für Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP II) gefördert wird. Das Projekt untersucht Schiffskonzepte, bei denen Windenergie im Durchschnitt mehr als 50 Prozent der erforderlichen Antriebsleistung liefert, wodurch der Bedarf an Energie und fossilen Brennstoffen deutlich reduziert wird.
Das Konsortium wird von der Hochschule Emden/Leer geleitet und umfasst das Fraunhofer-Institut für Windenergiesysteme IWES, die Hochschule Flensburg sowie die MARIKO GmbH, unterstützt von dreizehn assoziierten Partnern aus dem deutschen maritimen Sektor. Gemeinsam befassen sie sich mit Schiffsdesign, Routensimulation, Antriebstechnologien, Energiesystemen, Marktanalyse und kommerzieller Umsetzung.
Weitere Informationen zum RASANT-Projekt gibt es unter www.rasant.eu.
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